Mensch ist Mensch – Heimweh, Hilfe, Heimat. Ein Abend, der zum Nachdenken anregt.

Die Fragen der Integration von Flüchtlingen, der Migration insgesamt und den damit objektiven oder subjektiv wahrgenommenen Problemen, treibt die politische Diskussion und die Öffentlichkeit derzeit um. An der Graf-Stauffenberg-Wirtschaftsschule kamen nun die Hauptbeteiligten zu Wort: Flüchtlinge und Menschen, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind.

TVO-Fernsehbericht:

https://www.tvo.de/mediathek/page/2/video/bamberg-diskussionsabend-mit-fluechtlingen/

„Jeder soll in dieser schönen Stadt seinen persönlichen Lebensentwurf verwirklichen können!“ So begrüßt Oberbürgermeister Andreas Starke das Publikum. Die Fragen der Migration lassen auch in Bamberg wie in der öffentlichen Diskussion insgesamt die Emotionen häufig hochkochen. Um Ängsten und Missverständnissen zu begegnen, veranstaltete unsere Schule zusammen mit der iSo (innovative Sozialarbeit Bamberg) einen Abend der Begegnung.

Besonders still wird es an dem Abend unter den über 500 Schülerinnen und Schülern und den Gästen, wenn die jungen Männer von ihren Fluchterfahrungen berichteten: „Ohne Grund nehmen wir diese schrecklichen Erlebnisse nicht auf uns“, meint Merhawi, der in eindringlichen Worten und erstaunlich ruhig seine Flucht aus Eritrea schildert, die ihn durch die Wüste, die Fänge von Schleppern und über das Mittelmeer hierher geführt hat. Er beschreibt, wie das Begleitboot gekentert ist und er beobachten musste, wie vor seinen Augen 400 Menschen ertrunken sind oder wie Flüchtende mit schmelzenden Autoreifen über ihrer Haut zur Zahlung von Geld erpresst wurden. „Und trotzdem war alles besser, als zu Hause zu bleiben.“ Ein Hinweis auf die katastrophale Situation in den Ländern, aus denen Menschen fliehen, ihr Hab und Gut und ihre Familien zurücklassen.

Der Syrer Ibrahim bittet die Zuhörerschaft um Verständnis, nicht über die Flucht berichten zu müssen, zu schwerwiegend seien die Erinnerungen, an die er nicht mehr denken möchte. Der afghanische Flüchtling Anwari berichtet von seinem viermonatigen Fußmarsch von Afghanistan nach Deutschland.

Auf dem Podium saßen noch Pfarrerin Miriam Elsel, Ricardo Schreck (Mitbegründer des Netzwerks Bildung und Asyl) und Mitra Sharifi-Neystanak (Bamberger Migrations- und Integrationsbeirat). Sie sind sich darin einig, dass Vieles von den Medien aufgebauscht wird und der Focus gerade bei Verbrechen zu oft darauf gelegt wird, ob sie von Menschen mit Migrationshintergrund verübt werden. „Verbrechen gehören bestraft, sie sind immer schlimm – egal, wer sie begeht“, meint Frau Sharifi-Neystanak. Sie verweist auf die jahrzehntelange gute Arbeit des Migrations- und Integrationsbeirats und nimmt wahr, dass die negative Sicht auf Fragen der Migration vor allem in den letzten drei Jahren überhandnimmt. Ricardo Schreck beklagt die schwierigen Zugangsbedingungen für Flüchtlinge zum Arbeitsmarkt: „Hier haben wir junge Menschen, die arbeiten wollen. Ich werde dafür bezahlt, sie in eine Arbeit zu bringen – beim BAMF werden Menschen dafür bezahlt, sie davon abzuhalten“, beschreibt er die paradoxe Situaion auf dem Arbeistmarkt. Miriam Elsel beschreibt aus ihrer Erfahrung heraus, dass Integration dort gelingt, wo Begegnung stattfindet: „Flüchtlinge in Buttenheim haben sich früher gleich in den Vereinen engagiert. In Ankerzentren bleibt das anonym. Integration gelingt nur im Kleinen.“

Die Worte „Begegnung“, „Austausch“ und „Dialog“ hallen an dem Abend mehrfach durch den Raum. Miteinander reden und nicht übereinander, gegenseitiges Kennenlernen, das dann vielleicht auch helfen kann, das eine oder andere Vorurteil oder die eine oder andere Angst zu nehmen oder zumindest zu relativieren. Diese Denkanstöße lieferte der Abend. Die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler sowie deren lang anhaltender Applaus kann man als Zeichen werten, dass diese Botschaft bei ihnen angekommen ist.