“Der Tod sucht noch einen Parkplatz” – Die Klasse 9a im Hospizhaus Bamberg

Seit vielen Jahren stellt sich die Hospizhelferin Ingeborg Fitz den Fragen der Wirtschaftsschüler. Mit spannenden und nachdenklichen Berichten aus ihrer Tätigkeit und immer mit einem Augenzwinkern wusste sie auch in diesem Jahr wieder die Jugendlichen zu faszinieren.

Ein Hospiz soll den Menschen am Ende ihres Lebens ein Leben und Sterben in Würde ermöglichen. So ist der Grundgedanke der Hospizbewegung. Dieser Gedanke wird seit den 90er Jahren in Bamberg verwirklicht. Fast von Beginn an ist Ingeborg Fitz als Hospizhelferin dabei. Ihr Einblick in ihre Arbeit und ihr Plaudern aus dem Nähkästchen ihrer Arbeit sensibilisiert die Jugendlichen stets dafür, dass Tod zum Leben gehört, dass man fröhlich sein kann, auch wenn man viel mit dem Sterben zu tun hat. Ihre Hauptaufgaben? Immer wieder betont sie: Zeit haben für die Menschen, da sein für sie, ohne Hektik, in Ruhe und mit viel Geduld. Die Patienten geben das Tempo und den Rhythmus des Tages vor. „Zeit ist es, was ich den Menschen geben kann – und Zeit habe ich genug“, meint die Hospizhelferin und hat tatsächlich zum ersten Mal die Schülerinnen und Schüler zum Lachen gebracht.

Die Fragen der Jugendlichen zielten vor allem auf die letzten Wünsche der Patienten und ob wirklich jeder Wunsch erfüllt wird? „Ja, jeder“, meint Frau Fitz und erzählt vom Rundflug eines Patienten über Bamberg, vom Obdachlosen, der jeden Abend sein Bier bekommen hat, von der Bäuerin, der ihr „Hennala“ gebracht wurde und von der Frau, die wenige Tage vor ihrem Tod noch hier geheiratet hat, um als Ehefrau sterben zu können.

„Sind Sie traurig, wenn ein Patient stirbt?“ – „Traurig ja – aber ich nehme das nicht mit“, antwortet Frau Fitz, „man geht sonst zugrunde.“ Nach dem Tod eines Patienten sagt sie sich aber: „Schön, dass es mir gut geht, trotz der kleinen Wehwehchen.“

Eine Schülerin fragt, ob man nicht traurig wird, wenn man ständig mit dem Tod zutun hat. „Nein“, meint Frau Fitz lächelnd, „es wird sogar sehr viel gelacht. Ich kann nicht dauernd mit den Patienten weinen.“

Zum Lachen ist tatsächlich die Begebenheit, dass ein Patient am Hals der Hospizhelferin riechen wollte und in dem Moment, als er es tat, die Schwester hereinkam und fragte „Was macht ihr denn da?“ Nachdenklich stimmt die Geschichte von dem Mann, der verbittert ist, weil seine Familie bereits noch zu seinen Lebzeiten um sein Erbe streitet. Anrührend ist die Geschichte von der Frau, die nicht mehr geredet hat und plötzlich sagte „schee, mach weiter“, als Frau Fitz ihr zumindest den Rücken streichelte.

Die Jugendlichen wollten nun noch von der Fachfrau wissen, wie Frau Fitz selbst mit dem Tod umgeht? Sie verweist auf ihr Alter und einen Satz des Kabarettisten Jochen Busse: „Ich weiß, dass der Tod vor der Tür steht – er sucht aber gerade noch einen Parkplatz“.